Burgfelsen Neuhaus

(von Harald Rost, Windischeschenbach, Nov 2016)

Mit dankenswerter Erlaubnis der Stadt Windischeschenbach konnte die DAV-Sektion Karlsbad in Tirschenreuth (DAV TIR) auf Initiative des Autors seit Frühjahr 2016 die Neuhauser Burgfelsen zum Klettern erschließen. Die schöne, bis 20 m hohe Felsenzeile erstreckt sich auf ca. 90 m Länge direkt entlang der Naabstraße im Waldnaabtal zwischen den Stadtteilen Neuhaus und Windischeschenbach. Unmittelbar auf den imposanten Granit-Felsen thront die Burg Neuhaus.

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Nach grundlegender Hang- und Wanderschließung durch den Autoren wurden zwischen Frühjahr und Herbst 2016 von Sektionsmitgliedern und einigen weiteren tatkräftigen Kletterkollegen gemeinnützig bereits fast 60 Routen u. Varianten im Schwierigkeitsbereich zwischen UIAA 2 und 8- angelegt. Quasi mitten in der Stadt wurde ein über die Jahre immer wieder stark verwildernder, pflegebedürftiger und ursprünglich kaum begehbarer Hang mit schnell unansehnlich werdenden zubuschenden und steinschlaggefährdeten Felsen in ein richtiges Kleinod verwandelt. Der durch viele ehrenamtliche Arbeitsstunden so entstandene naturnahe „Kletterpark“ findet als optischer und sportlicher Pluspunkt der Stadt breite Akzeptanz nicht nur bei den Kletterer der Region, sondern auch bei Bürgern und Touristen, die den Sportkletterern unter der Burg am Wochenende gerne von der Waldbnaabbrücke zusehen, bevor sie in einer der zahlreichen Zoiglstuben einkehren.

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Die für Granit außergewöhnliche Vielfalt unterschiedlicher Gesteinsstrukturen (Risse, Spalten, Kamine, Blöcke, Reibungsplatten, Leisten, Einzelkristalle, Aufleger, Überhänge, Dächer, Pfeiler – eigentlich fehlen nur „Dolomit-Löcher“) ermöglicht Klettern in fast allen Spielarten und mit vielen abwechslungsreichen Varianten. Durch das breite Schwierigkeitsspektrum und i.d.R. gute und angstfreie Bohrhaken-Absicherungsmöglichkeiten findet so vom Einsteiger bis ambitionierten Sportkletterer fast jeder das Richtige für seine Verhältnisse.

Zoigl-Brotzeit

Durch die Lage in der Stadt, unweitem Parkplatz und nahem Bahnhof sind die Felsen gut erreichbar. Daneben trocknen sie äußerst schnell ab. Ihre Exposition bedeutet teilweise durchgehend Sonne und speziell im Sommer kann es so ab Mittag durchaus auch mal „sportlich warm“ werden und ggf. das Schwimmbad Windischeschenbach, ein Eis oder ein „ortsübliches Kaltgetränk“ eine Alternative darstellen 🙂 . Abgerundet wird das Klettererlebnis durch das Flimmern und Rauschen der Waldnaab sowie am Wochenende, in der Hauptstadt des Zoiglbieres (!), mit dem empfehlenswerten Besuch eines der regionaltypischen Zoigl. Dort kann man neben dem speziellen, im Kommunbrauhaus gebrauten Zoiglbier auch gute und preiswerte Brotzeiten genießen.

Weitere Infos:

    • Karte und Luftbild per Bayernatlas

      Bayernatlas

    • Geologie


    • Topos und Kletterführer

      Statt die Kletterrouten hier nochmals eigenständig zu präsentieren verweist der DAV-TIR auf die entsprechenden Veröffentlichungen im Web und in gedruckter Form:

      • ThecragDer Autor dieses Artikels, Initiator und „Hauptfederführende“ der Erschließung, Harald Rost, hat die Routen am Burgfelsen Neuhaus vollständig in Thecrag-Fototopos aufgearbeitet, die kostenlos (!) auch als HTML-Guide ausgedruckt werden können. (Stand möglichst aktuell)


      • Panico OstbayernIn freundlicher Kooperation mit Christian Hartl haben diese Infos im Oktober 2016 Eingang in die Neuauflage des Kletterführers Ostbayern (+ App Guide Vertical Life) gefunden. (Stand August 2016)

Sektoren Burgfelsen Neuhaus:

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1. Nepomuk (brückseitiges vorderes Wändchen)
2. Loreley (Turm des vorderen Hauptmassivs)
3. Breite Rast (balkonartiger 2. Gipfel des vorderen Hauptmassivs)
4. Zwischenwand (Wand zwischen Breite Rast und Riesentreppe)
5. Riesentreppe (der von der Kreuzung wie ein tafeliger Feldspatkristall aussehende Felsblock und Blöcke darüber)
6. Mittlerer Hang (Hangteil zw. Riesentreppe und Zyklop-Fels)
7. Zyklop- bzw. Vexier-Fels (je nach Perspektive ein vielfältiger Vexier. Eine Variante ist der Zyklop)
8. Hochalm
9. Thron-Felsen (Felsabschnitt mit thronartigen Absätzen)
10. Höhlen-Fels (hinterster Abschnitt der Felsenzeile mit markantem Dachfelsen und Höhle)

Der Neue Tag Bayerisches Fernsehen
OWZ


    • Gesteine, benachbarte Kletterfelsen u. Klettergebiete bis 100 km

– unterschiedliche Granite:

  • Burg Falkenberg, Entf. 13 km, < 15 Routen (schwer)
  • Steinwald, Anfahrt über Pfaben, Entf. 18 km

    Vogelfelsen (ca. 60 Routen)
    Räuberfelsen (ca. 80 Routen)
    Ratfelsen-Gruppe (ca. 70 Routen)

  • Steinwald, Anfahrt über Fuchsmühl, Entf. 23 km

    Augsburger Felsen, 18 Routen

  • Schloßberg Flossenbürg, Entf. 28 km, < 5 Routen

– Sandstein, Arkose, „Quarzit“:

  • ca. 35 km, < 20 Routen (schwer)

– Kalk, Dolomit:

– Quarz:

– Basalt (i.w.S.):

  • bisher keine erschlossenen Routen in der Oberpfalz – träumen darf man 🙂 !
  • Konstantinky (Konstantinovy Lazne, CZ), Entf. 73 km, 16 Routen ab UIAA 6

– Amphibolit:

  • Letztlich das beherrschende Gestein der KTB zwischen 4 und 7 km Tiefe und mit ca. 600 Mio Jahren etwa doppelt so alt, wie die in der Region scheinbar so prädominanten Granite.

  • Häufig nur als Bänder in anderen Gesteinen oder in Wechsellagerung auftretend, erscheinen an der Erdoberfläche durchaus auch massige Amphibolite im Verband (z.B. im Ötztalkristallin) und stellen dann grundsätzlich ein hervorragendes und zudem oft schön anzusehendes Klettergestein dar. Dennoch finden sich weltweit allerdings eher Bergtouren (z.B. Gross Grünhorn), denn Sportkletterrouten in Amphibolit.
  • auch in der Oberpfalz bisher keine erschlossenen Routen

– Gneis:

 

(Entfernungsangaben jeweils vom Burgfelsen Neuhaus)


        • Zur Geologie der Burgfelsen Neuhaus

          Wie der Steinwaldgranit und die Granite von Friedenfels, Mitterteich, Falkenberg/Liebenstein, Bärnau, Rozvadov, Flossenbürg und Leuchtenberg gehört der Granit in Neuhaus zum sog. Nord-Oberpfalz-Pluton (s.a. LfU Bayern: Beschreibung Flossenbürger Granit).

          Der meist dunkel wirkende Granit der neuen Kletterfelsen weicht von dem des Steinwaldes in Gefüge und Strukturen allerdings deutlich ab. Das Gestein ist porphyrisch mit großen Feldspateinsprenglingen und Xenolithen. Es ähnelt daher dem Falkenberger Granit. Im Gelände ist er von diesem aufgrund des kontinuierlichen Gesteinsübergangs, vor allem entlang des Waldnaabtales, tatsächlich auch nicht wirklich abzutrennen und so liegt es augenscheinlich nahe, es handele sich um eine Varietät von diesem, ähnlich, wie dies für den Liebensteiner Granit gilt. Offenbar auf Basis geochemischer Untersuchungen wird der Neuhauser Granit offiziell aktuell jedoch dem älteren (WENDT et. al. 1986) Leuchtenberger Granitkörper zugeordnet, auch wenn das Gestein makroskopisch speziell mit der Typlokalität des „Leuchtenberger Granits“ keine Ähnlichkeiten aufweist und so zumindest petrographisch schwerlich nomenklatorisch korrekt tatsächlich als solcher auszuweisen ist.

          Im Geotopkataster Bayern des Bayerischen Landesamts für Umwelt sind die Neuhauser Burgfelsen als „Granitfelswand in Neuhaus, Geotop-Nummer 374R032,“ mit Stand 21.05.2015 unter dem Punkt „Geologie“ aus besagten geochemischen Gründen (Auskunft auf Email-Nachfrage 2015) dem Leuchtenberger Granit zugeordnet. STETTNER (1992) hingegen bezeichnet die „Aufschlüsse 15: Windischeschenbach-Neuhaus“, „Felsen unterhalb der Burg“, als Falkenberger Porphyrgranit (S. 101).

          (Dipl.-Geol. Harald Rost, 2016)

           

          P.S.: Wenigstens eine Veröffentlichung dazu sollte eigentlich jeder Neuhaus-Kletterer verinnerlicht haben 🙂 :
          SIEBEL, W. & CHEN, F. (2010):
          Zircon Hf isotope perspective on the origin of granitic rocks from eastern Bavaria, SW Bohemian Massif.- Int. J. Earth Sci. (Geol. Rundsch.); 99: 993-1005.
          (-> Uni Tübingen)
          SIEBEL, W., CHEN, F. & SATIR, M. (2003):
          Late-Variscan magmatism revisited: new implications from Pb-evaporation zircon ages on the emplacement of redwitzites and granites in NE Bavaria.- Int. J. Earth Sci. (Geol. Rundsch.); 92, 1: 36-53.
          (-> Uni Tübingen)
          SIEBEL, W., TRZEBSKI, R., STETTNER, G., HECHT, L., DASTEN, U., HÖHNDORF, A. & MÜLLER, P. (1997):
          Granitoid magmatism of the NW Bohemian massif revealed: gravity data, composition, age relations and phase concept.- Geol. Rundsch.; 86, 1: 45-63.
          (-> Springer Link)
          SIEBEL, W., HÖHNDORF, A. & WENDT, I. (1995):
          Origin of late Variscan granitoids from NE Baveria, Germany, exemplified by REE and Nd isotope systematics.- Chemical Geology; 125, 3-4: 249-270.
          (-> ScienceDirect)
          SIEBEL, W. (1993):
          Der Leuchtenberger Granit und seine assoziativen magmatischen Gesteine: Zeitliche und stoffliche Entwicklungsprozesse im Verlauf der Entstehung des Nordoberpalz-Plutons.- Diss. Univ. Heidelberg: 308 S.
          STETTNER, G. (1992):
          Geologie im Umfeld der Kontinentalen Tiefbohrung, Oberpfalz, Einführung und Exkursionen.- 240 S., 139 Abb., 3 Tab., 1 Kt. 1:50000; München (Bayer. Geol. LA).
          (-> LfU Bayern – auch kostenloser PDF-Download!)
          WENDT, I., CARL, C. & STEINER, L. (1992):
          Ergänzende Messungen zum Friedenfelser Granit (Steinwald) und radiometrische Datierung der Ganggranite im Falkenberger Granit. – Entstehung der Granitoide des Oberpfälzer Waldes.- Geol. Jb.; A 137: 26 S., 25 Abb., 18 Tab.; Hannover (Schweizerbart).
          WENDT, I., LENZ, H. & DELISLE, G. (1986):
          Gesamtgesteins- und Mineraldatierungen des Falkenberger Granits. – Rb/Sr-Gesamtgesteins-Altersbestimmung am Weißenstadt-Marktleuthener Porphyrgranit des Fichtelgebirges [The subsurface temperature field resulting from obduction of a crustal segment ].- Geol. Jb.; E 34: 85 S., 28 Abb., 15 Tab.; Hannover (Schweizerbart).
          MADEL, J. (1968):
          Magmatische Entwicklung der Massivgranite der nördlichen Oberpfalz, aufgezeigt an der arealen Variation einiger Haupt- und Spurenelemente.- Diss. Univ. München.
          DIMROTH, E., SÖLLNER, K., STETTNER, G., GUDDEN, H. & RÜCKERT, G.  (1965):
          Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern, 1:25000, Blatt Nr. 6038 Waldershof.- 126 S., 26 Abb., 1 Beil.; München (Bayer. Geol. LA).
          (-> LfU Bayern – auch kostenloser PDF-Download! )
          (S. 38: Granite und ihre Ganggefolgschaft; S. 39: Falkenberger Granit)
          MUZAFFER, A. (1957):
          Geologie und Petrographie des Falkenberger Granit-Massivs und seiner Ganggefolgschaft.- Diss. LM-Univ. München: 35 S.