Dufourspitze 4634 m

DAV Karlsbad auf dem zweithöchsten Gipfel Europas

Ursprünglich sollte es nach Frankreich gehen. Gestecktes und mit viel planerischem sowie zeitlichem Aufwand ausgewähltes Ziel, war eigentlich der Mont Blanc, welcher mit seinen 4810m der höchste Berg Europas ist. Allerdings machten uns die heißen Temperaturen in letzter Sekunde einen Strich durch die Rechnung, denn durch die andauernd hohen Temperaturen war die Steinschlaggefahr auf der gesamten Aufstiegsroute bis zur Goutor Hütte so akut, dass alle örtlichen Bergführer ihre Touren absagten. Somit war es die einzig richtige Entscheidung unserer beiden Hochtourenführer Marco Bauer und Martin Kahl, dieses Ziel nicht in Angriff zu nehmen. Die Gefahr, dass jemand verletzt wird war einfach zu hoch.

Nun hieß es also improvisieren. Alle Teilnehmer hatten den Urlaub schon lange geplant, alle nötigen Vorbereitungen waren abgeschlossen und wir waren bereit und heiß auf die Tour. Aber wo sollte es als Alternative hingehen? Ganz einfach, der höchste Berg Europas geht nicht, dann eben der zweithöchste. Neues Ziel war damit die Dufourspitze mit 4634m bei Zermatt.

So brachen wir am 10.08.2018 um 4 Uhr früh alle gemeinsam in die Schweiz auf. Auf der 10-Stündigen Fahrt hatten wir schon die Befürchtung, dass die Wettervorhersage doch nicht recht behalten würde, da die Temperaturen sanken und Regen einsetzte. Aber der Weg war noch weit und es konnte nur besser werden. Als wir dann die engen und verwinkelten Passstraßen in der Schweiz langsam passierten, wurde das Wetter tatsächlich besser und besser. Um ca. 14 Uhr kamen wir in Herbriggen bei strahlendem Sonnenschein an, nachdem wir unser Bettenlager im Hotel Bergfreund bezogen hatten, beschloss ein Teil der Gruppe das Wetter und die Gunst der Stunde zu nutzen um sich Zermatt einmal genauer anzusehen und die idyllische, fast schon kitschige Atmosphäre der Stadt auf sich wirken zu lassen. Die Touristenmassen in Zermatt sind kaum zu beschreiben. Dennoch konnten wir einen traumhaften Blick auf das Matterhorn genießen.

Zu der dreitägigen Tour auf die Dufourspitze mit zwei Übernachtungen auf der Monte Rosa Hütte, brachen wir am 11.08. gegen 9 Uhr auf. Zuerst ging es mit dem Taxi nach Zermatt, von dort dann mit der Gornergratbahn auf den Rotenboden (2927m). Die Fahrt mit der Zahnradbahn dauerte ca. 20 Minuten in denen wir uns schon mal psychisch auf die kommenden, anstrengenden Tage einstimmen konnten.

Dann ging es los. Die erste Etappe ging zur Monte Rosa Hütte (2883m). Es ging die erste Hälfte des Weges leicht begab, mit einem traumhaften und schon fast überwältigenden Blick auf das Matterhorn und das Monte Rosa Massiv. Ab der Hälfte der Strecke betraten wir das erste Mal über eine Leiter den Gletscher. Der Weg war leicht zu begehen und mit den Steigeisen ohne Probleme zu bewältigen. Nach ca. 3,5 Stunden war das Tagesziel erreicht. Den restlichen Tag genossen wir das Panorama und das Wetter bei dem ein oder anderen Bier auf der Terrasse der Hütte.

12.08.
Um 2 Uhr klingelte der Wecker, kurzes Frühstück auf der Hütte und um 3 Uhr ging es mit Stirnlampen und allem nötigen Equipment bewaffnet in die dunkle Nacht, immer bergauf und den Gipfel als Ziel. Schon vorweg kann man sagen, das insgesamt 16 Personen an diesem Tag versucht haben den Gipfel zu erreichen, geschafft haben es aber nur 10, alle anderen mussten aus diversen Gründen abbrechen. Die erste Stunde ging es über ein Geröllfeld, das ohne Sicherung aber mit viel Trittsicherheit gut gemeistert werden konnte.

Beim Betreten des Gletschers teilten wir unsere Gruppe in jeweils zwei Seilschaften mit je 4 Mann, leider reduzierte sich das aber auf jeweils 3 Mann pro Seilschaft, da zwei Mitstreiter gesundheitlich mit der Höhe Probleme bekamen und sich für den Abstieg entscheiden mussten.

Jetzt ging es über eine unwirkliche mit sehr tiefen Gletscherspalten durchzogene Eislandschaft. Diese wurden jedoch mit dem ein oder anderen beherzten Sprung und dem nötigen Vertrauen in die Kollegen der Seilschaft gut überquert. Aufgrund der Dunkelheit konnte man im Schein der Stirnlampen das gesamte Ausmaß der Landschaft sowieso nicht abschätzen. So folgten wir einfach immer unseren Hochtourenführern bergauf in Richtung Gipfel.

Gegen 6 Uhr erhellte sich langsam der Himmel und wir befanden uns in einer atemberaubenden weißen Landschaft aus Eis und Schnee. Über mehrere Stunden stiegen wir nun über das Gletschermassiv auf, immer den Eispickel zur Hand um einen etwaigen Spaltensturz oder Ausrutscher in der Seilschaft abfangen zu können. Die Schritte wurden langsam kleiner, der Weg steiler und die Luft von Schritt zu Schritt dünner. So das wir doch mehrere kurze Pausen für einen „Verschnaufer“ einlegen mussten.

Zum Schluss mussten wir nochmal all unsere Konzentration aufbringen, um das letzte Stück zum Gipfel über einen felsigen Grat sicher überwinden zu können. Hier war nun Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt. Immer ein paar cm vom Abgrund entfernt gingen bzw. kletterten wir noch ein gutes Stück bis wir dann endlich nach 6,5 Stunden das Ziel und somit den höchsten Punkt dieser Tour und der ganzen Schweiz erreicht hatten.

Der Anblick des Panoramas war atemberaubend und eine wirkliche Entschädigung für die bis dahin geleisteten Anstrengungen. Nun konnten wir die Situation für ca. 15 Minuten auf uns wirken lassen, Fotos machen und einfach den Moment genießen bevor es dann hieß: Das ganze nun wieder zurück.

Nachdem wir den felsigen Teil des Grats bzw. des Gipfels wieder hinter uns gelassen haben, galt es noch zwei sehr steile Eisfelder sicher abzusteigen. Im Anschluss machten wir eine kurze Pause um etwas zu trinken, die Kleidung den nun höheren Temperaturen anzupassen und die zwei Seilschaften zu einer großen sechser Seilschaft zusammen zu legen. Zusätzlich haben wir uns entschieden ab jetzt ohne Steigeisen weiter zu gehen, da der Schnee einen guten Tritt erlaubte. Dank der nun höheren Temperaturen und der Sonneneinstrahlung wurde der Schnee aber immer weicher, die Konzentration immer schlechter und der Erschöpfungsgrat immer höher. Das zeichnete sich dadurch aus, dass die Schritte immer unpräziser wurden, deshalb mussten wir, Sicherheit geht vor, doch wieder die schweren Steigeisen anlegen um nicht am Schluss der Tour, doch noch einen Unfall zu riskieren.

Nach nun insgesamt 12 Stunden auf den Beinen, erreichten wir wieder die Monte Rosa Hütte und das erste was wir taten, war unseren Durst mit dem ein oder anderen Bierchen zu stillen.

Beim Abendessen wurde dann besprochen wie die verbleibenden Tage verbracht werden sollten. Aber aufgrund der Erschöpfung und des schlechten Wetterberichts, entschieden wir uns am Folgetag wieder abzusteigen und die Heimreise anzutreten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Tour ein unbeschreibliches Erlebnis bei traumhaften Verhältnissen war. Die ganze Mannschaft bedankt sich für die Top Planung und Führung bei unseren Hochtourenführern Marco und Martin. Besser geht’s nicht!

Schreibe einen Kommentar