Gletschergrundkurs mit Besteigung Zuckerhütl 3507

Gletscherkurs trotz Nebelschwaden

Um einen Gipfel besteigen zu können benötigt man nicht nur Kondition, einen gesunden Sportsgeist und eine guten Ausrüstung, sondern auch eine fundierte Ausbildung. Um alle Teilnehmer auf die Tour im Stubaital, genauer gesagt eine Hochtour zum Zuckerhütl, vorzubereiten fand das erste Treffen bereits am 13. Mai im Steinwald statt. Hier wurde den Teilnehmern die Rettung eines Kameraden bzw. die Selbstrettung aus einer Gletscherspalte gezeigt.

Die Teilnehmer lernten am Räuber- und am Vogelfelsen das Retten eines eingebrochenen oder hineingefallenen Tourengehers mittels der „Losen-Rolle“ oder die Selbstrettung durch das Heraus-Prusiken. Nach mehreren Durchläufen an den beiden Stationen waren sich die Trainer Marco Bauer und Armin Landsdorfer sicher, dass die Teilnehmer fit für den Gletscher und einer solchen Notsituation gewachsen sind.

So traf sich am 06. Juli die gesamte Truppe an der Freizeitarena in Sölden um das Projekt „Zuckerhütl“ in Angriff zu nehmen. Dabei waren die beiden Tourenführer Marco und Matthias sowie die Teilnehmer Tabea, Sabine, Manuel, Andreas, Oli, Norbert, Sigi, Max und nochmals Andreas. Nachdem ein Bus für die Fahrt zum Ausgangsort, der Flieglalm auf ca. 1900Hm, organisiert war startete bei leichtem Nieselregen und 10 Grad der schwer bepackte Fußmarsch in Richtung Hildesheimer Hütte. Erste Station, nach einem etwa 45 minütigen Fußmarsch, war die Materialseilbahn der Hildenheimer Hütte wo wir zur Begeisterung aller die Rucksäcke in die Seilbahn packten und den Aufstieg zur Hütte auf 2899Hm ohne große Last fortsetzen konnten.

Auf dem Weg zum Übernachtungsplatz setzte immer wieder Regen ein und nach 2,5 Stunden Fußmarsch, auf den letzten Höhenmetern kurz vor der Hildesheimer Hütte, wurden die angehenden Hochalpinisten bei um die null Grad und Sichtweite unter 100m sogar mit Schnee-Regen am Berg begrüßt. Die Rucksäcke wurden schnellstmöglich zur schützenden Hütte gebracht wo auch schon der Wirt der Hildesheimer Hütte „Gustl“ mit seiner allzeit fröhlichen Art die neuen Gäste in Empfang nahm.
Das Lager wurde bezogen, die Ausrüstung verstaut, die nassen Klamotten in die Trockenkammer verfrachtet und sich im Anschluss in der lauschig warmen Gaststube auf eine kleine Brotzeit und ein wärmendes Getränk zusammen gesetzt. Die leicht getrübte Stimmung über das schlechte Wetter verflog sofort nachdem jeder in trockener Kleidung steckte und beim Gustl ein lockerer Spruch den nächsten jagte.

Nachdem das Wetter nicht besser zu werden schien, räumte man kurzerhand zwei Tische in der Gaststube leer und Marco rief nochmal anhand einer Trockenübung mit Seil und Karabiner die „lose Rolle“ ins Gedächtnis von allen Teilnehmern. Als T-Anker fungierte ein Messer, als Opfer in der „Gletscherspalte“ zwischen den beiden Tischen musste ein Karabiner herhalten und das „Seil“ war eine Reepschnur.
Nachdem jeder an der Rettung des „Karabiners“ beteiligt war kam man zum erfreulichsten Teil des Abends. Das Abendessen, bestehend aus einem 4 Gänge Menü! Nach dem Abendessen waren sich alle Teilnehmer sicher, dass der Küche mindestens ein Gourmet-Stern verliehen werden sollte.
Im Anschluss an das Abendessen gab es noch eine halbe Stunde Kartenkunde wo Marco erklärte auf welcher Route wir am Samstag den Gipfel erklimmen werden und zudem noch die einzelnen Symbole in der Karte erläuterte. Nach dem vorherragenden und reichlichen Abendessen wurde relativ schnell die Nachtruhe eingeläutet.

Am Samstag klingelten die Wecker um 6:00 Uhr, da ab 6:30 Uhr das Frühstücksbuffet vorbereitet war.
Noch während des Frühstücks erklärten uns Marco und Matthias, dass wir mit dem Marsch zum Gipfel noch bis mindestens 8:00 Uhr warten, da hier der Regen aufhören sollte und wir dadurch trockenen Hauptes auf den Gipfel gelangen sollten. Um 08:30 Uhr gab es dann von den beiden Führern den Startbefehl zum Aufbruch.

Die Steigeisen wurden im Rucksack verstaut, die Bergstiefel angelegt und die Klettergurte fest gezurrt.
Mit Marco an der Spitze startete die elfköpfige Truppe bei dichtem Nebel und der Aussage „Des Wetter macht schon nu auf “ in Richtung Pfaffenferner. Kurze Zeit nach dem Start zeigte sich an einer stahlseilgesicherten Felsquerung, dass neben Kondition auch Trittsicherheit und vor allem Schwindelfreiheit bei allen Teilnehmern gegeben sind! Als wir den Pfaffenferner erreichten, hieß es Steigeisen anlegen und anseilen. Die erste Gletscherbegehung stand für einige unmittelbar bevor.

Nach dem Pfaffenferner wartete schon der Sulzenauferner auf uns. Nach einer schier endlosen Stapferei über den Gletscher bei einer Sichtweite von max. 50m sahen wir für ein paar Sekunden rechts neben uns das Objekt der Begierde in seiner ganzen Pracht. Das Zuckerhütl! Für einen kurzen Moment erstarrten die beiden Seilschaften vor dem imposanten Anblick der augenscheinlich so riesigen Nordwand. Kurze Zeit später versperrte der Nebel wieder die Sicht und die Seilschaften zogen Ihre Spuren im Schnee weiter in Richtung Ziel.

Dadurch, dass in der Nacht kein Neuschnee gefallen war, war der karge und steinige Weg zum Gipfel schneefrei und die Steigeisen wurden am Einstieg zum Gipfel abgelegt und gesichert am Seil der Berg erklommen. Um kurz vor 13:00 Uhr war es dann geschafft. Alle elf Teilnehmer befanden sich, dank der beiden Führer Marco und Matthias, überglücklich am Gipfelkreuz auf 3507 Meter! Ein wahrer Erfolg der jedem einzelnen ein Lächeln ins Gesicht trieb. Und zu guter Letzt bekamen wir sogar noch als Belohnung, wie schon beim Start durch Marco vorher gesagt, eine Lücke im Nebel wo wir das ganze Umland erblicken konnten. Nach einer kurzen Paus am Gipfel wurde der Rückweg angetreten und auf den Gletscher zurück gekehrt.

Nachdem noch Zeit zur Verfügung stand wurde auf dem Rückweg nochmals das Retten eines abgestürzten Kameraden einer Seilschaft trainiert. Bei bestem Sonnenschein bekamen die Kursteilnehmer nicht nur Kostenlos eine weitere Lektion in Sachen „Rettung“ sondern Teilweise auch einen gratis Sonnenbrand. Bei der Rückkehr an der Hildesheimer Hütte um kurz nach 18:00 Uhr freuten sich die frisch gebackenen Hochalpinisten auf ein weiteres vorzügliches Abendessen vom Gustl und seiner Frau Elfriede. Die Ausrüstung war schnell zur Seite gepackt, die wind- und wetterfeste Kleidung abgelegt, die schweren Stiefel im Regal verstaut und sich am großen Tisch neben dem Kachelofen in der Gaststube versammelt um das Abendessen zu genießen. Anzumerken ist, dass sich in der Hütte seit dem Nachmittag eine weitere Seilschaft befand, bei der weitere vier Mitglieder der Sektion Karlsbad anwesend waren.

Anschließend an das Abendessen wurde sich umgezogen, über die Tour philosophiert und auch schon die ersten Fotos ausgetauscht. Der Abend endete wieder mit viel Gesprächsstoff und einiges an Flüssigem.

Am Sonntag konnten alle erstmals bis 7:00 Uhr ausschlafen und dann in aller Ruhe frühstücken. Im Anschluss wurden die Rucksäcke gepackt, gezahlt und sich bei strahlendem Sonnenschein an den Abstieg Richtung Auto gewagt.

Kurz und knapp gesagt, war es mehr als nur eine Bergtour. Es wurde nicht nur ein Berg erklommen, sondern es wurden neue Freundschaften geschlossen und vieles über das richtige Verhalten am Berg gelernt!

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