Hochtour auf die Wildspitze – Keine Anfänger Skitour in den Ötztaler Alpen

ACHTUNG: Natürlich handelt es sich NICHT um eine Anfängertour!!! Es handelt sich um eine hochalpine Gletschertour, die genaue Planung und Erfahrung vorraussetzt!

 

Marco Bauer, Lex Schwaiger und Armin Landstorfer

Schon seit mehreren Wochen war das Ziel klar. Die 3768 Meter hohe Wildspitze in den Ötztaler Alpen. Sie ist der höchste Berg Tirols und der zweithöchste Berg Österreichs nach dem Großglockner. Marco hatte eine wunderbare Idee: „Wir könnten mit Tourenskiern da raufgehen. Hab ich zwar noch nie probiert aber das wird schon gehen. Was hältst du davon?“ Als leidenschaftlicher Skifahrer konnte ich dazu nicht Nein sagen. Obwohl ich auch noch nie auf Tourenskiern gestanden habe. Es war also beschlossene Sache. Es sollte eine Anfänger Skitour werden. Um es gleich richtig zu lernen, entschieden wir uns für die schwierige Aufstiegsroute von Vent über die Breslauer Hütte zum Mitterkarferner und weiter über das Mitterkarjoch zum Gipfel der Wildspitze.

Am Freitag, den 17.02.2017 ging es in aller Frühe endlich los Richtung Brixen im Thale. Dort stieg Marcos Kumpel Lex Schwaiger zu. Ebenfalls ein begeisterter Bergsteiger, der im Gegensatz zu uns schon einige Skitouren gemacht hat. Gegen Mittag erreichten wir bei leichtem Schneefall die 1895 m hoch gelegene Ortschaft Vent, die Ausgangspunkt unserer Tour war.  

Auf Grund der geringen Schneehöhe abseits der Skipisten, entschieden wir uns, per Skilift bis auf die Stableinalm (2356 Meter) aufzufahren. Von der Bergstation galt es zunächst ca. 100 Höhenmeter abzufahren um zum Aufstiegsweg auf die Breslauer Hütte zu gelangen. Nach dem Aufziehen der Steigfelle ging es dann auch schon los. Anfangs war es teilweise nicht ganz einfach, am schrägen Hang immer sicheren Halt mit den Skiern zu finden. Doch wir gewöhnten uns schnell daran und auch die Richtungswechsel wurden immer besser. Nun galt es, einen lawinengefährdeten Hang unter der Hütte weiträumig zu umgehen. Natürlich trugen wir LVS Geräte und hatten alle eine Lawinenausrüstung (Schaufel und Sonde) dabei. Schließlich galt in diesem Gebiet die Lawinenwarnstufe 2, teilweise auch 3. Nach gut eineinhalb Stunden Aufstiegszeit haben wir unser Nachtquartier, den Winterraum der Breslauer Hütte auf 2844 Metern erreicht.  Da es zwischenzeitlich ganz schön schneite, entschlossen wir uns, den Tag gemütlich in der Hütte ausklingen zu lassen. Wir waren diesmal ganz alleine und konnten uns so nach Belieben in der sehr komfortablen Unterkunft ausbreiten. Nach einem gemütlichen Abendessen gab´s von unserem Übungsleiter Marco noch eine Lektion in Spaltenbergung an der Wäschetrocknungsstange über dem voll beladenen Holzofen.

Am Samstagmorgen ging es dann pünktlich um 5 Uhr bei immer noch leichtem Schneefall los in Richtung Mitterkarferner. Es war stockdunkel und Lex übernahm in dem 20 Zentimeter tiefen Neuschnee die Spurarbeit. Ohne Marcos „Gameboy“ hätten wir um diese Zeit den richtigen Weg wohl nicht gefunden. (Gameboy ist der Schönkircher Fachausdruck für ein GPS Navigationsgerät!) Kurz vor Sonnenaufgang ließ der Schneefall nach und der Himmel klarte plötzlich völlig auf. Dafür wurde es aber bitter kalt.

Gegen 8.30 Uhr erreichten wir die Schlüsselstelle der Tour, eine steile Aufstiegsrinne hinauf zum Mitterkarjoch (3468 Meter). Schon vor der Rinne wurde es so steil, dass wir die Skier abschnallen und zu Fuß mit Allradantrieb weiter mussten. Schnell wurde uns klar, dass die Rinne bei dieser Schneehöhe unpassierbar ist. Wir steckten bereits bis zur Hüfte im Schnee und kamen kaum noch vorwärts. Uns fehlten noch wenige Meter zum Klettersteig, der links neben der Rinne ebenfalls auf das Mitterkarjoch hinaufführt. Nach einer kurzen Lagebesprechung gelang es Marco im zweiten Anlauf, einen Pfad zum Einstieg des teilweise mit Stahlseilen versicherten Steiges frei zu legen. Diesen konnten wir problemlos durchklettern, obwohl das Stahlseil durch den vielen Schnee teilweise nicht freizulegen war. Oben angekommen hieß es noch einmal die Skier anschnallen. Vorschriftsmäßig angeseilt, so wie es sich auf einem schneebedeckten Gletscher nun mal gehört, überquerten wir den Taschachferner Richtung Nordosten, hinauf zum sog. „Frühstücksplatzl“, an welchem die Skier deponiert und zurückgelassen werden. Vor uns lag jetzt noch der schneebedeckte Grat hinauf zum Gipfel der Wildspitze. Nach Überwindung der letzten Kletterpassagen standen wir etwas abgekämpft aber glücklich gegen 11.30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein auf dem höchsten Gipfel Tirols. Wir hatten eine fantastische Aussicht und konnten von hier oben die über das Pitztal nachkommenden Seilschaften ausmachen.

Nach einer kurzen Pause begaben wir uns wieder auf den Abstieg, zurück zum Skidepot. Die erste Abfahrtspassage mit Tourenskiern über den Taschachferner zurück zum Mitterkarjoch lag nun vor uns. Obwohl keine der ankommenden Seilschaften angeseilt war, gab es für uns keinen Grund, auf diese Sicherheitsmaßnahme zu verzichten. Wir wurden sogar angesprochen, warum wir im angeseilten Zustand abfahren wollen. Die Antwort darauf ließ nicht lange auf sich warten. Keine zwei Meter neben unserer Aufstiegsspur gab der Boden plötzlich unter mir nach und ich rutschte mit den Beinen in eine enge Gletscherspalte. Als „Mittelmann“ in der Seilschaft war das kein Problem und ich kam auch mit eigener Kraft wieder frei. Ohne weitere Zwischenfälle ging es weiter Richtung Klettersteig. Nachdem wir diesen wieder abgestiegen waren, wartete nun die große Belohnung auf uns. Die Abfahrt über den Mitterkarferner zurück nach Vent, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Die ersten Schwünge in dem ca. 20 cm tiefen unberührten Neuschnee waren noch etwas gewöhnungsbedürftig aber nach kurzer Zeit ging es schon voll ab. Natürlich gab es den ein oder anderen Sturz, aber so richtig zerlegt hat es keinen von uns. Das letzte Teilstück führte über die präparierte Skipiste, wo wir es dann richtig krachen lassen konnten. Gegen 15.30 Uhr erreichten wir zufrieden wieder das Auto und waren uns sofort einig:

Das war eine super Tour, welche uns nicht nur körperlich ganz schön gefordert hat. Auf jeden Fall ist sie nichts für blutige Skianfänger.

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