Hochtourenrunde am Monte Rosa Massiv

Lange haben sich die Teilnehmer der Monte Rosa Tour der DAV-Sektion Karlsbad auf dieses große Ereignis gefreut. Am Samstag, den 05.08. war es dann endlich soweit. Gegen 16 Uhr traf sich die Gruppe in Herbriggen und lernte sich, bei einem hervorragenden Abendessen im Hotel Bergfreund, erst einmal kennen. Schnell war klar, dass sich alle Teilnehmer super verstehen und gut miteinander auskommen werden. Die beiden Hochtourenführer Marco und Martin erläuterten anschließend noch den Ablauf der nächsten Tage und dann ging es für alle früh ins Bett, um sich von den Strapazen der langen Anreise zu erholen und somit am Sonntag fit für den ersten 4.000er zu sein.

Am Sonntag ging es dann, nach einem ausgiebigen Frühstück mit einem Kleinbus nach Zermatt. Beladen mit unseren schweren Rücksäcken und Gottes Segen der Wirtin des Hotel Bergfreund, fuhren wir mit der Seilbahn von Zermatt auf die Bergstation des kleinen Matterhorns auf 3883m. Oben angekommen gab es letzte Instruktionen der Hochtourenführer und unsere 10 Mann starke Truppe wurde auf zwei 5er-Seilschaften aufgeteilt. Ohne übermäßige Anstrengung erreichten wir nach ca. 1,5 Stunden den Gipfel des Breithorns mit 4164m. Für die meisten war das der erste Gipfelerfolg über der magischen 4000m Marke und dementsprechend stolz waren wir auch auf unsere Leistung.

Neben der Gipfelfreude hatten wir an dieser Stelle auch die traurige Pflicht, unserer verstorbenen Bergkameraden Marianne und Marcel zu gedenken. Fast auf den Tag genau kamen Marianne Ernstberger und Marcel Jäckel auf dem Breithorngrat durch einen tragischen Bergunfall ums Leben.

Gerne, aber auch mit gemischten Gefühlen brachten wir auf Wunsch von Marcel´s Ehefrau Carina eine Tibetische Gebetsfahne in der Nähe der Absturzstelle an.

Anschließend ging es vom Gipfel über den Breithorngrat und ein riesiges Gletschergebiet in Richtung Pollux. Dort zeigte sich erstmals die volle Flexibilität der Gruppe mit ihren 2 Führern. Während die „Seilschaft Marco“ noch den Gipfel des Pollux mit 4092m bestieg, machte sich die andere Seilschaft mit Martin direkt auf den Weg zur Hütte Rifugio Guide d’Ayas.

Am nächsten Morgen durften wir hautnah die Folgen der Erderwärmung miterleben, als neben der Hütte, weit von unserer Aufstiegsroute entfernt, Seracs abbrachen und als Eislawine ein Stück Richtung Tal schlitterten. Spätestens hier ist allen klar geworden, dass hier oben alles etwas anders ist. Man fühlte sich wie in einer anderen Welt. Von der Rifugio d’Ayas ging es dann über den Gletscher hoch, bis zum Gipfel des Castor mit 4228m. Dabei waren die Highlights des Tages leichtes Eisklettern bei ca. 40 Grad Hangneigung und 2 sehr ausgesetzte Gratüberschreitungen bei strahlendem Sonnenschein. Nach einer kurzen Brotzeitpause ging es dann abwärts zur nächsten Hüttenübernachtung in der Rifugio Quintino Sella. An diesem Abend verhieß der Wetterbericht für die nächsten Tage leider nichts Gutes, weshalb die Fortsetzung der Tour fraglich erschien und wir erst am nächsten Morgen entscheiden konnten, wie wir weiter vorgehen werden.

Dienstagmorgen war das Wetter dann wie vorhergesagt. Dichter Nebel und Niederschläge. Eine Orientierung in einem gefährlichen Gletschergebiet war somit unmöglich. Selbst sehr erfahrene Schweizer Bergführer, die jeden Winkel dieses Gebietes kennen, entschieden sich dafür, nicht aufzusteigen. Um die Tour am Folgetag fortsetzen zu können, war jedoch das Weiterkommen zur nächsten Hütte zwingend erforderlich. Also stiegen wir bis zur nächsten Seilbahn ab, und fuhren mit dieser über das italienische Örtchen Staffal bis kurz unter die nächste Hütte der Tour, der Rifugio Capanna Giovanni Gnifetti. An diesem Tag blieben uns natürlich die geplanten Gipfel verwehrt, aber alle waren froh, nach dem Hüttenaufstieg im Regen, endlich im trockenen Lager angekommen zu sein. Am Abend wurde das Wetter dann kontinuierlich schlechter und der Wetterbericht sagte auch für den kommenden Tag schlecht voraus, weshalb sich alle schon von dem Gedanken, die Signalkuppe zu erreichen, verabschiedeten. Dieser Gipfel sollte das Highlight der Tour werden.

Mittwochmorgen um 04:30 Uhr standen wir auf und waren überrascht, dass sich das schlechte Wetter komplett aufgelöst hatte. Nach dem Frühstück ging es mit Stirnlampen unter sternenklarem Himmel über den Gletscher bergauf. Wegen der schlechten Wettervorhersage tags zuvor wollten wir eigentlich nur das Bergmassiv überqueren und über den Grenzgletscher absteigen, aber schnell stellte sich heraus dass die Truppe fit ist und wir schneller oben waren als gedacht. Da das Wetter immer noch hervorragend war, entschieden wir spontan, doch noch die Signalkuppe in Angriff zu nehmen. Um ca. 10:30 Uhr erreichten wir dann den Gipfel auf 4554 Meter. Direkt auf dem Gipfel befindet sich die Hütte Rifugio Capanna Regina Margherita, in welcher wir uns kurz aufwärmten und einen Tee tranken. Nach einem kurzen Gipfelaufenthalt begaben wir uns auf den sehr langen und abwechslungsreichen Abstieg.

 

 

 

 

 

 

 

Es ging über viele Spalten, vorbei an großen Seracs, weiter unten musste ein kleiner Fluss überquert werden und anschließend kamen noch kleinere Klettersteigpassagen am Fels, bis wir endlich die Gornergratbahn erreichten, mit der wir nach Zermatt abfuhren. Der GPS-Track eines Teilnehmers zeigte am Abend beachtliche Daten: 1.600hm Aufstieg, 2.700hm Abstieg und 28km Distanz in 11 Stunden. Eine beachtliche Leistung aller Teilnehmer!

Obwohl wir erst am Donnerstag eine weitere Übernachtung im Hotel Bergfreund gebucht hatten, disponierte die Wirtin unkompliziert und schnell um, und wir konnten von Mittwoch auf Donnerstag alle wieder warm duschen und ein ausgiebiges Abendessen zu uns nehmen. Am Donnerstagmorgen, nach dem Frühstück, brachen die meisten Teilnehmer dann Richtung Heimat auf. Das Fazit der Tour: Eine sympathische Gruppe, die fit und unkompliziert war und mit der es auch abends auf den Hütten mal das ein oder andere Bier zu trinken gab, hat sich für die Tour zusammengefunden. Die beiden Hochtourenführer Marco und Martin überzeugten jeden mit einer Menge Fachwissen und der nötigen Sicherheit in schwierigeren Situationen, jedoch ohne dabei den nötigen Humor vermissen zu lassen, welcher diese Tour zu etwas Besonderem gemacht hat.

Andreas Zrenner.

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