Nachruf für Dean Potter

Dean Potter    14 April 1972 bis 16.Mai 2015

„Soloing for me is about being completely in the moment, not worrying about the past or future, but just being right here, right now. That’s why I do it.“

Dean-PotterWas geschieht mit jemanden, der sein Leben dem Extremsport verschrieben hat, der ein ums andere Mal Grenzen des Möglichen verschiebt, was geschieht, wenn die biologische Uhr zu ticken beginnt?Dean Potter, mit 43 Jahren bei einem seiner waghalsigen Base-Jumps tödlich verunglückt, ist uns diese Antwort schuldig geblieben. Es scheint angesichts des tragischen Absturzes beim Versuch, bei einem Wingsuit-Flug vom Taft Point nacheinander eine Felslücke zu durchfliegen, nicht wirklich wichtig, ob der vor ihm an der Wand zerschellende Graham Hunt den Absturz mitverursacht hat.

Ein Spezialist für Speedclimbing und für Soloklettern, aber auch für Highlining und erst recht für Base-Jumping.

Der erste der nächsten Generation im neuen Jahrtausend im amerikanischen Yosemite-Klettern, die scheinbar mühelos ein neues Niveau zelebriert.

Zwei seiner vielen Speedclimbing-Rekorde, dieser fragwürdigen Spielart des „Schneller, Besser, Mehr“ im Bergsteigen, seien hier stellvertretend genannt: „Nose“ im Jahr 2001 in 3 h 59 min und 2010 in 2 h 36 min!

Dazu kamen schwere Solobegehungen (z. B. Heaven, 5.12d/13a in 2006) und schnelle Rotpunktbegehungen (Supercanaletta am Fitz Roy und Kompressorroute am Cerro Torre in 2006).

Für die erste Rotpunktbegehung zweier Bigwalls an einem Tag (Half Dome, Regular Northwest Face, 5.12 und El Capitan, Free Rider, 5.12d) wurde ihm 2003 der Laureus World Sports Award verliehen.

Mit Base-Jumping fand er eine weitere Aktivität, die seinem Freiheitsdrang entgegenkam. 2 Min 50 und 6,5 km dauerte der längste Flug mit einem Wingsuite vom Eiger. Atemberaubend, einen seiner Flüge über die Helmkamera mit zu verfolgen. Nach dem Film „When Dogs Fly“, in dem der Aufstieg Dean Potters mit seinem Hund Whisper und dem anschließenden Base-Jump beider mit Wingsuit und Rucksack von der Eigernordwand gezeigt wurde, diskutierten Millionen über Tierquälerei.

Mit der Erfindung des Free Base, des Solokletterns schwerer langer Wände mit dem Schirm auf dem Rücken als einziges Sicherungsmittel, schien Dean Potter all seine Fähigkeiten verschmelzen und sich in für ihn idealer Weise von den Einschränkungen des lästigen Sicherns befreien zu können.

„Freigeist“, „machte seine eigenen Regeln“, „Streben nach bedingungsloser Unabhängigkeit“ sind ihm nachgesagte Eigenschaften, die sich in diesem konsequenten Lebenslauf wiederspiegeln. Unaufgeregt, in sich ruhend schien er in den Interviews.

Sein jähes Ende gibt uns vielleicht doch noch die Antwort auf die Eingangs gestellte Frage.

(M.S.)

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