Ortlerbesteigung

(Bericht: Joachim Beer)

Tag der Anreise
Nachdem die Wetterlage für das Wochenende absehbar war, wurde am Mittwochabend 20.07. das Ziel für die Tour festgelegt. Der mit 3905hm gemessene Ortler bei Sulden (Südtirol) sollte es sein. Zum Aufstieg wurde der Hintergrat, zum Abstieg der Normalweg gewählt.
Samstag früh 8 Uhr ging es mit dem Auto über den Fernpass in Richtung Südtirol. An Bord waren Marco Bauer, Matthias Rübl und Joachim Beer.

Bereits auf dem Weg konnten wir eine seltene Sehenswürdigkeit betrachten, da die im Reschen Stausee geflutete Kirche auf Grund des geringen Wasserstandes zu dieser Zeit trockenen Fußes erreichbar war.

Vom Reschen Stausee aus war auch das Tourenziel das erste Mal zu sehen. Bei traumhaften Wetter konnten wir uns während der restlichen Fahrt, das Ziel immer im Blick, schon geistig auf den darauffolgenden Tag einstimmen.

In Sulden angekommen, wurden am Auto noch kurz die Rucksäcke möglichst spartanisch gepackt, um das Gewicht niedrig zu halten und den Aufstieg nicht unnötig schwer zu gestalten. Für das erste Teilstück nutzten wir die Sesselbahn, gefolgt von einer leichten Wanderung, ca. 45 min., zum Übernachtungsziel der Hintergrathütte, die auf 2661hm liegt. Bei einem zünftigen Abend auf der Hütte mit überraschend wenig anderen Bergsteigern, wurde der Startzeitpunkt auf 3 Uhr festgelegt.

Tag des Gipfels:
Sonntag früh, pünktlich um 3 Uhr ging es mit Stirnlampen ausgerüstet in die dunkle Nacht, dank der hervorragenden Orientierungskünste von Marco, konnten wir trotz geringer Sicht den richtigen Einstieg in den Grat ohne Umwege finden. Überraschender Weise waren die Temperaturen dank der aktuell vorherrschenden Windstille sehr angenehm und der klare Nachthimmel stimmte uns zuversichtlich, ein perfekt sonniges Gipfelpanorama genießen zu können.

Bereits beim Zustieg mussten wir aufgrund des teilweise steilen und schneebedeckten Weges vom Eispickel Gebrauch machen, der Einsatz der Steigeisen konnte aber auf einen späteren Zeitpunkt verlagert werden.

Der Aufstieg an sich war sehr angenehm zu gehen, allerdings gab es 2-3 Schlüsselstellen, die wir ohne die Hilfe und Sicherung von Marco alleine nicht hätten überwinden können.

Zusätzlich merkte man in den recht steilen Schneefeldern langsam auch die Höhe, wodurch man recht schnell außer Atem geriet. Leider zog sich im Laufe des Aufstieges der Himmel langsam zu, so dass aus dem sonnigen Panorama leider nichts wurde. Aber der Weg war ja das Ziel. Auch die Temperatur sank mit jedem zurück gelegten Höhenmeter, was dazu führte, dass das Wasser im Trinkschlauch und die Müsliriegel im Rucksack bei Gipfelankunft komplett gefroren waren.

Nach ziemlich genau 5 Stunden und 1262 zurück gelegten Höhenmetern erreichten wir den Gipfel.

Beim Abstieg über den Normalweg bewunderten wir noch viele Eindrücke des Gletschers. Aufgrund der noch frühen Saison und der kalten Temperaturen in diesem Gebiet, waren die dort vorhanden Gletscherspalten nur sehr begrenzt wahrzunehmen. Der Abstieg auf dem steilen und weitem Schneefeld forderte die Beinmuskulatur nochmal richtig. Auch hier zahlte sich das spartanische Packen des Rucksackes aus. Nach dem wir den Gletscher überwunden hatten, gönnten wir uns auf einer Hütte eine kleine Stärkung, bevor es am Fuß der Nordwand zurück zum Auto ging.

Den Abstieg über den Normalweg bis nach Sulden meisterten wir in weiteren 5 Stunden Fußmarsch, wodurch wir die komplette Tour Hintergrathütte – Sulden in ziemlich genau 10 Stunden überwinden konnten. Im Anschluss ging es direkt wieder über den Fernpass in die Heimat zurück.

Im Nachhinein betrachtet war es ein sehr forderndes Wochenende, dass uns aber alle mit Wahnsinns Eindrücken mehr als entschädigte. Klasse Tour mit einer Klasse Truppe!

 

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