Gemeinschaftliche Skihochtour auf die Wildspitze

Am frühen Samstagmorgen des 22. März ist unsere Gruppe, bestehend aus unseren beiden Organisatoren und Leitern Marco Bauer und Armin Landstorfer sowie Matthias Rübl und Jonas Gebhard bei frühlinghaftem Wetter von Plößberg aus in Richtung Vent aufgebrochen. Unterwegs gesellte sich in München Kathi Gocke zu uns in den Tirschenreuther Stadtbus. Zügig und ohne größere Verkehrsbehinderungen ging es schließlich über Sölden, wo mit Tobias Schedl die Gruppe komplettiert wurde, nach Vent. Am späten Vormittag erreichten wir schließlich unseren Talort, das auf 1895 m gelegene Gebirgsdorf Vent.

Nach längerer Parkplatzsuche konnten wir schließlich nach einem kurzen Materialcheck auffellen und in Richtung unseres Tageziels, der auf 2755 m gelegen Vernagthütte, aufbrechen. Aufgrund des frühlingshaften Wetters konnten wir den Aufstieg zur Hütte sogar im T-Shirt in Angriff nehmen. Bei den Rofenhöfen hatten wir auch erstmals den Gipfel der Wildspitze, samt altem Gipfelkreuz vor Augen.

Nachdem der Aufstieg um ca. 16:00 Uhr geschafft war, wurde der Flüssigkeitsverlust des schweißtreibenden Anstiegs auf der Hüttenterasse bei strahlendem Sonnenschein ausgeglichen. 

Als positive Überraschung stellte sich heraus, dass wir – anders als angekündigt- nicht im Winterraum übernachten mussten, da aufgrund von Absagen plötzlich Plätze im Mehrbettzimmer frei waren.

Im Anschluss an das Abendessen wurde schließlich der Entschluss gefasst, wegen des zu erwartenden großen Andrangs auf den Gipfel auf das Hüttenfrühstück zu verzichten und am nächsten Tag möglichst früh vor allen anderen Hüttengästen, aufzubrechen. So liesen wir den gemütlichen Hüttenabend rechtzeitig zur Hüttenruhe ausklingen um genügend Energie für das geplante Vorhaben aufzutanken.

So war es schließlich 5 Uhr als wir nach einer erholsamen Nacht ein kleines, selbst mitgebrachtes Frühstück auf den Zimmern verzehrten und uns -so leise wie möglich- für die Anstrengung des Gipfeltages vorbereiteten. Um 5:45 Uhr war es schließlich so weit: Es wurde aufgefellt, die LVS-Geräte wurden auf Senden gestellt und wir marschierten im Licht der Morgendämmerung in Richtung Vernagtferner.

Auf dem Weg dorthin mussten wir noch eine kurze Abfahrt mit den Steigfellen bewältigen. Als diese geschafft war gingen wir -in unserem Rücken die aufgehende Sonne- in Richtung des Brochkogeljochs. Hier wurde der Hang das erste Mal steil und es hieß: Harscheisen anbringen, oder zu Fuß bis zur Engstelle des Jochs. Spätestens an der steilsten Stelle des Brochkogeljochs waren wir gezwungen, die Ski abzuschnallen und hochzuklettern.

Oben angekommen erwartete uns ein atemberaubender Ausblick über die im Morgenlicht glänzenden Berge um uns herum und den Gletscher unter uns. Nach einer kurzen Teepause ging es schließlich um den Brochkogel herum, weiter über den Tasachferners. Wegen der großen Schneemengen und der frühen Tageszeit konnten wir hier sogar auf ein Anseilen auf dem Gletscher verzichten und in aller Ruhe in Richtung Wildspitze marschieren. Nach einem letzten Aufschwung über den Gletscher erreichten wir schließlich noch vor allen, die die Tour als Tagestour vom Pitztaler Gletscher angehen, das Skidepot. Hier bließ uns zu unserer Überraschung ein eiskalter Wind entgegen, der das Anlegen der Steigeisen stark erschwerte. Nach einer halben Stunde auf dem felsigen Grat war es schließlich geschafft. Überglücklich standen alle auf dem Gipfel des mit 3768 Metern zweithöchsten Berg Österreichs. Auf ebenjenem, den wir als eine der ersten Gruppen des Tages betraten, bewunderten wir die unglaubliche Weitsicht auf Südtiroler Klassiker wie den Ortler und noch viele andere schöne Gipfel.

Noch als einzige Gruppe auf dem Gipfel verweilend, brachen wir schließlich zum Abstieg ins Tal auf. Hier offenbarte sich uns eine Seilschaft nach der anderen, die sich wie an einer Perlenkette gereiht bergaufwärts bewegten. Am Skidepot ankommen schnallten wir die Ski an und freuten uns auf die Abfahrt, welche den kompletten Skibergsteiger fordern sollte. Da wir für die Abfahrt eine andere Route, diesmal direkt nach Vent, gewählt haben führte der Abstieg über das steile Mitterkarjoch. Hier mussten wir ein letztes Mal die Bretter auf dem Rucksack verstauen und über das steile Schneefeld bis zum stahlseilversicherten Klettersteig absteigen, was aufgrund der nun hochstehenden Mittagssonne eine schweißtreibende Angelegenheit war.

Als das Mitterkarjoch schließlich geschafft war stand uns nur noch der Abfahrtsgenuss bevor. Hier wurde der komplette Skifahrer gefordert. Der Untergrund wechselte je nach Hang zwischen gutem Firn-, Harsch- und Sulzschnee. Vor unserem Ziel, dem Skigebiet von Vent, musste schließlich nochmal ein steiler Hang unterhalb der Bresslauer Hütte bewältigt werden, der noch einmal volle Konzentration in der Abfahrt erforderte. Als dieser geschafft war, konnten wir die genussvolle Abfahrt im bestens präparierten Skigebiet von Vent noch einmal voll auskosten. Nach einer kurzen Rast auf der Stableinalm ging es die restliche Piste hinab ins Tal, wo wir nach dem Abschnallen nur noch wenige Meter bewältigen mussten, um zu unserem Parkplatz zu gelangen. Schnell wurden zuerst die engen Skischuhe abgeschnallt, und schließlich das restliche Material im Auto verstaut. Müde, aber auch überglücklich, wurde die Heimreise durch das malerische Ötztal angetreten.

Rückblickend bleibt zu sagen, dass es sich um ein einmaliges Erlebnis gehandelt hat, diesen Berg bei einem solchen Kaiserwetter zu besteigen. Eine Reise zur Wildspitze ist auf jeden Fall, und vor allem mit einer so guten Truppe und Organisatoren, wie es bei uns der Fall war, im Sommer wie im Winter zu empfehlen.

Jonas Gebhard