Watzmann Überschreitung im Winter

König Watzmann im Winter!

Am Dreikönigswochenende beschlossen wir, die Bergfreunde Martin Kahl, Marco Bauer und Matthias Rübl, aufgrund der guten Wetterverhältnisse eine Winterüberschreitung des Watzmann zu versuchen. So fuhren wir am 06.01.2018 nach Ramsau bei Berchtesgaden. Am Parkplatz Wimbachbrücke überprüften wir nochmals unsere Ausrüstung. Jeder versuchte so wenig Gepäck wie möglich mit zu nehmen, damit die Kletterei am Grat leichter fällt. Auf die Schneeschuhe und LVS-Geräte wollten wir jedoch nicht verzichten, was sich später als richtig erweisen sollte. Den Aufstieg zum Winterraum am Watzmannhaus verlief ohne Probleme und konnte zügig in 2 Std. zurückgelegt werden. Ab ca. der Hälfte der Strecke kamen die Schneeschuhe zum Einsatz mit denen ein weiterkommen im tieferen Schnee wesentlich leichter fiel.

Am Winterraum angekommen mussten wir zuerst einmal Holz machen, da nur sehr lange Bretter vor Ort waren. Das größere Problem war jedoch das der Ofen den Rauch nicht in den Schornstein beförderte sondern alles in den Winterraum drückte. Nach ca. 1 Std. brannte der Ofen dann richtig, und so wurde es schön warm. Nach einer Tasse Glühwein für jeden, welche Martin extra mitgenommen hatte, ging es zeitig um 22:30 in die Winterlager.

Der Wecker klingelte um 05:00. Wir machten ein kleines Frühstück und kochten nochmals kurz Tee mit dem Gaskocher. Wir legten noch die Klettergurte und Steigeisen an und brachen um 05:45 Richtung Hocheck auf. Der Himmel war Sternenklar, es ging fast keine Wind, der Schnee war sehr harsch, also perfekte Bedingungen. Wir konnten Teilweisen den markierten Weg folgen, da im Aufstieg nicht viel Schnee vorhanden war.
Als die Sonne hinter den anderen Berggipfeln hervortrat machten wir eine kurze Pause um ein paar Bilder zu machen. Um ca. 08:00 erreichten wir bereits den Gipfel des Hocheck. Beim dortigen Biwakplatz machten wir einen kurze Trinkpause und konnten den Gratverlauf Richtung Mittelspitze nun gut sehen.

Die Verhältnisse waren wie erhofft recht gut. Es war zwar Schnee und Schneewechten vorhanden, aber vom Wind der letzten Woche richtig fest in den Grat gepresst. Es war nun leichte Kletterei auf- und abwärts erforderlich, teilweise waren sogar die Stahlseile zu sehen, welche natürlich gerne zur Hilfe genommen wurden. Ohne große Probleme erreichen wir gegen 09:00 den Gipfel der Mittelspitze. Auch hier machten wir nur eine kurze Pause. Der Blick zu Südspitze war nun komplett zu sehen, und auch die beeindruckende Ostwand lag verschneit vor uns.

Weiter ging es mit einer leichten Kletterei. Der Grat lag unter einen dicken Schneeschicht, aber wir kamen weiterhin gut voran. Kurz vor dem letzen Aufschwung zum Südgipfel, mussten wir den Grat verlassen und ein steiles fast senkrechtes Schneefeld passieren. Die 1800m hohe Ostwand im Rücken, hangelten wir uns nur gehalten von Steigeisen und Pickel durch den harschen Schnee. Auch der letzte Aufschwung zum Südgipfel konnte bewältigt werden und so standen wir bereits um 11:00 Uhr am Gipfel des Südgipfels. Nach ein paar Fotos und dem obligatorischen läuten der dortigen Gipfelglocke machten wir uns auf dem Weg nach unten.

Hier stellt sich nun heraus, dass im Abstieg noch sehr viel Schnee vorhanden war. Die Wegfindung war extrem schwierig. Der Weg nach unten schien wie ein riesiges Labyrinth aus großen Eis- und Schneerinnen. Markierungen waren so gut wie nicht mehr zu sehen. Das steile Gelände konnte meistens nur mit dem Rücken nach unten bewältigt werden. Nach etlichen Querungen von Eis und Schnee kam noch ein weiteres Problem, es waren große Schneefelder mit tückischen Triebschnee. Zum Glück hatten wir die LVS Geräte dabei. Ab hier war äusserste Vorsicht geboten. Auf der Suche die sicherste Linie zu finden querte einer nach dem anderen, mit vorsichtigen Schritten, die Schneefelder. Es ging nur sehr zäh voran. Als die Gefahrenzone fast hinter uns lag, wurde der Schnee sehr weich Die letzten Höhenmeter im Abstieg waren extrem kraftraubend, da man ständig bis zu den Knien oder gar bis zur Hüfte im Schnee versank, man kämpfte sich wieder raus, setze den nächsten Schritt und versank wieder.

Der Abstieg kostete jedoch viel Zeit und so erreichten wir erst gegen 14:45 das Wimbachtal. Nach einer kurzen Stärkung schnallten wir nochmals die Schneeschuhe an und begaben uns auf den Weg zum Parkplatz. Obwohl die letzten Kraftreserven bereits in Anspruch genommen wurden, waren wir schon um 16:45 am Parkplatz angekommen. Kurz umgezogen und schon ging es wieder auf die Heimreise. Bei einen Abendessen liesen wir diese beeindruckte Tour nochmals Revue passieren.

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