Klettern im Kaisergebirge

Kaiser- mal ganz spontan

Morgen klettern im Wilden Kaiser? Na klar, wieso nicht!

Nach ähnlich ausgereifter Planung beschlossen Marco Bauer und ich, dass der immer gleiche Steinwald-Granit auch mal warten könne. So fuhren wir kurzentschlossen in die bei Kufstein liegende Gebirgsgruppe „Wilder Kaiser“, um zu Abwechslung doch etwas Kalkstein und Gebirgsfeeling genießen zu können.

Nach relativ kurzer, entspannter Anreise ins 340km entfernte Kaisergebirge lag zu schon späterer Stunde nur noch das Problem der fehlenden Übernachtungsmöglichkeit vor uns. Auch das wurde schnell gelöst mit einer mehr oder weniger angenehmen Nacht auf umgeklappten Sitzen des Mercedes Coupe am Parkplatz der „Wochenbrunner Alm“. Gut ausgeruht gings am nächsten Tag zu Fuß weiter zur Gaudeamushütte, von dort aus dann in knappen 1,5h Aufstieg zum Startpunkt unserer abends zuvor ausgewählten Mehrseillängen-Tour. Von der Hütte aus Richtung Ellmauer Tor und dann rechts halten – so liegt der Weg zum Bauernpredigtstuhl, an dessen Westseite wir die „Alte Westwand“ (6+) klettern wollten. Trotz Zweifel an der Wegwahl gelangten wir auf Anhieb zu unserem Frühstücksplatz, eine Grasbank am Fuße der imposanten Westseite. Nach kurzer Pause nun voller Elan und mit allerhand Material behängten Gurten standen wir bald darauf am Einstieg, dem Beginn der ersten Seillänge.

Die erste Länge stieg Marco vor, welche, mit 5- bewertet, sehr gut geeignet war, sich an die Verhältnisse des Gebirgskletterns zu gewöhnen. Diese verlangen mit etwas spärlicherer Absicherung und oftmals brüchigem Stein im Vergleich zu mancher Sportkletterroute zeitweise mehr psychische Stabilität und Durchhaltevermögen. Weiter gings in Wechselführung über eine schöne Verschneidung im oberen 5. Grad zum zweiten Stand. Bald kam auch eine zweite Seilschaft aus München dazu – was zu netten Gesprächen an den Standplätzen führte, an denen es sonst manchmal schon recht einsam werden kann – ausgesetzt hängend in hunderten Meter Höhe.

Noch entspannt gings für Marco in die dritte Länge. Diese stellte sich als sehr interessant heraus: eine große Schuppe mit etwa 50 cm Abstand zum Fels, etwas spärlich abgesichert, die leider schon abgespeckt und daher etwas schwerer war. Einige schlecht gesetzte Fußklemmen können da schon mal zu blauen Flecken führen. Dennoch meisterte Marco auch dies im Vorstieg – und weiter gings zum nächsten Abschnitt: Ein sehr schöner, vom Wasser ausgespülter, Fingerriss führte mich hoch zu einem etwas ausgesetzten 6er-Quergang über eine glatte Wand mit wenig Griffen, dafür aber guten Möglichkeiten zum Stehen. Nach diesen zwei kürzerem Seillängen mit 20 und 25 Metern auf das Topo schauend hatten wir die Hälfte der Tour schon fast geschafft: Jetzt nur noch die Wand bis zur anderen Seite queren und dann an der Kante über den Grat zum Gipfelkreuz!

Leichter gesagt als getan, denn auf jeden von uns beiden wartete noch eine kleine Herausforderung: Die nächste (5.) Seillänge mit nur sieben Metern hätten wir auf dem Topo fast übersehen – dennoch wartete hier die mit 6+ bewertete schwerste Stelle (auch zu erkennen an zwei geklebten Zwischenhaken, die wir bald als Zeichen für Schwierigkeit identifiziert hatten – da sie nur selten in der durchgehend mit Schlaghaken abgesicherten Tour auftauchten). Nach einigen kräftigen Zügen über eine etwas brüchige Schuppe am nächsten Stand stehend, verschnauften wir kurz, dann gings weiter in die nächste Länge. Über eine kurze 6er Rinne hinauf stand ich als Vorsteiger vor einem Quergang, der durch seine fehlende Absicherung und auch überwiegend brüchigem Stein etwas mehr Zeit, Nerven und nicht immer vertrauenswürdige mobile Absicherung in Anspruch nahm. Doch mit ausreichend Aufmunterung über die Ausgesetztheit des Quergangs und den daraus folgenden notfalls freien Fall ausgestattet war auch das kein Problem.

Vor uns lagen daraufhin nur noch zwei schöne 3er-Längen am Grat entlang, welche schnell geschafft waren.

Schon saßen wir entspannt neben dem Gipfelkreuz des Bauernpredigtstuhles und genossen Müsliriegel, Apfel und die super Aussicht – dank sonnigem Wetter nur von wenigen ab und an vorbeiziehenden Wolken getrübt.

Glücklich über die schöne, erfolgreich verlaufene Mehrseillänge und noch über die einzelnen Kletterstellen diskutierend machten wir uns dann bald an den Abstieg: Erst zur kleineren Gipfelspitze, dann kurz abseilen und zu Fuß über ein Gratstück zur nächsten Wand. Von da aus mussten wir noch noch 2x 50m abseilen und schon standen wir wieder am Wandfuß auf Gras. Mit großen Schritten das Geröllfeld hinuntergerutscht und 30 min. bergab standen wir dann erschöpft, zufrieden und mit einigen blauen Flecken mehr am Tor der Gaudeamushütte. Bei warmer Hüttenmahlzeit stellten wir fest, dass der wunderschöne Wilde Kaiser als kleines Kletterparadies immer wieder einen Besuch wert ist.

Auf der Heimfahrt konnten wir mit etwas Cola sofort den Topoführer rauskramen und über die nächsten Touren sprechen – die Ziele sind gesteckt und warten nur auf das nächste Mal, das hoffentlich bald kommen wird.

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