Skibergsteigen als Leistungssport

Skibergsteigen bzw. Skitourengehen, bedeutet abseits der Piste Berggipfel mit Tourenski zu besteigen und abzufahren. Die ersten Skitouren wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegangen. Diese Sportart findet bis heute große Begeisterung und liegt auch bei den jungen Leuten voll im Trend, besonders im Alpenraum. Am beliebtesten sind Abfahrten im unverspurten Pulver oder aufgefirnten Schnee.
Durch das Bewegen im offenen Gelände sind bestimmte Anforderungen an Mensch und
Material notwendig. Die Tourenskier sind relativ kurz und meistens breiter als herkömmliche Bretter, um im Tiefschnee einen guten Auftrieb zu haben. Die Tourenskibindung ermöglicht, dass sich im Aufstieg die Ferse aus der Bindung heben kann, aber in der Abfahrt wieder fixiert wird. Unverzichtbar ist für Skitourengeher, ein Lawinenverschütteten-Suchgerät, eine Lawinenschaufel und eine Sonde um im Ernstfall bei einer Lawine die notwendigen Maßnahmen ergreifen zu können. Zwingend notwendig ist es auch eine Landkarte mit topographischer Geländedarstellung dabei zu haben, unterstützt wird diese Ausrüstung häufig von Höhenmesser und GPS-Gerät. Eine ausreichende Schutzkleidung sollte sich auch im Rucksack befinden.
Das Skibergsteigen als Leistungssport geht zurück auf ursprünglich durch das Militär ausgetragene Wettkämpfe. Die sogenannten „Militärpatrouillen“ wurde als Teamwettkämpfe ausgetragen. Seit den 1920er-Jahren gab es in Österreich bereits zivile Rennen. Bei den olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix fand erstmals ein Militärpatrouillenlauf statt. In den weiteren Verlauf der olympischen Spiele (1928, 1936 und 1948) wurde diese Disziplin auf Grund des regen Interesses als Vorführwettbewerb deklariert und gilt als Vorläufer des Biathlons. Die Union Internationale des Associations d’Alpinisme (UIAA) probiert die Aufnahme des Skibergsteigens als Disziplin für die olympischen Winterspiele 2018. Seit den 1980er-Jahren wurden in den Alpenländern neuartige Wettkämpfe ausgetragen. Zu Beginn der 90er Jahren gründeten Skibergsteiger aus Europa das Comitte International du Ski-Alpinisme de Competition (CISAC), somit wurde erstmals 1992 auch Europameisterschaften ausgetragen. Die Wettkampfvariante des Skibergsteigens ist heute international durch das International Council for Ski Mountaineering Competitions (ISCM) vertreten, dem 34 Nationen angehören. Seit 2002 werden im Zweijahresrhythmus Weltmeisterschaften ausgetragen. Seit 2004 gibt es einen Weltcup. In welchen auch deutsche Athleten schon sehr erfolgreich waren. Seit 2001 gibt es eine Nationalmannschaft Skibergsteigen, die der deutsche Alpenverein stellt. Die derzeit größten Nachwuchstalente sind Toni Palzer (Berchtesgaden) und Sepp Rottmoser (Rosenheim). Der Deutsche Alpenverein organisiert auch den DAV-Skitourencup, zu dem mehrere Rennen im deutschen Alpenraum zählen. Mittlerweile haben sich diese Rennen fest als Klassiker im Wettkampfkalender eines Skibergsteigers verankert. Des weiterem gibt es in Deutschland auch den Dynafit Skitourencup, zu dem mehrere Rennen zählen. Häufig werden die Rennen auf Pisten und in der Nacht ausgetragen und es besteht nur eine Stirnlampen- oder Rucksackpflicht.
Auch diesen Januar war es wieder soweit. Der „Jennerstier“ wurde wieder als deutsche Meisterschaft im Vertical Race ausgetragen, das bedeutet es handelt sich um ein reines Aufstiegsrennen, im Gegensatz zum Single Race, wo auch die Abfahrt in die Zeitnahme mit
einfließt. Um so ein Rennen vernünftig bestreiten zu können, benötigt man eine geeignete
Ausrüstung. Nachdem bei einem Bergaufwettkampf das Gewicht eine entscheidende Rolle
spielt, wird an dieser Stelle das Material optimiert und reglementiert. Angefangen bei den
Skiern, müssen diese eine Mindestlänge von 160 cm bei Herren und 150 cm bei Frauen haben. Auch ein Mindestgewicht darf nicht unterschritten werden. Die Bindungen sind auf
Gewicht optimiert und liegen bei 115 – 185 g. Skitourenstiefel und Stöcke sind häufig mit Carbon verarbeitet.
Seit letztem Jahr bestreite ich Wettkämpfe im Skibergsteigen. Nachdem ich früher Biathlon als Leistungsport ausübte, blieb ich später als Wettkampfläufer dem Ausdauersport treu. Nachdem ich seit 10 Jahren auch Skitouren mache, reizte mich diese Herausforderung am Berg. Zwar bestehen in der nördlichen Oberpfalz nicht die optimalen Trainingsbedingungen, aber mit Langlaufen oder Berglauf können auch Höhenmeter gesammelt werden. Die eine oder andere Skitour in den Alpen fördert auch das Training. Natürlich kann man mit den Kaderathleten nicht mithalten. Aber trotzdem meldete ich mich heuer für die deutsche Meisterschaft am Jenner in Berchtesgaden an, weil dort auch ambitionierte Hobbyläufer gegen die deutsche Elite antreten. Im Aufstieg waren 600 Höhenmeter zu bewältigen. Um 11. Uhr wurde in der Nähe der Mittelstation der Jennerbahn im Massenstart gestartet, wie immer gab es auf den ersten Metern ein mächtiges Positionsgerangel, da es sich um einen schmalen Ziehweg zu Beginn handelte. Gott sei Dank ohne Sturz konnte ich mir meine Position im hinteren Mittelfeld erkämpfen. Nach mehreren kurzen Flachpassagen ging es in den steilen Spinnergraben, der nur mit sehr vielen Spitzkehren zu bewältigen war. Ein überhohlen ist auf Grund der Steilheit schlecht möglich, aber trotzdem gelang es mir noch zwei Konkurrenten hinter mir zulassen. Beim Schlussanstieg mussten die Skier abgeschnallt und auf den Rucksack gepackt werden, da eine Tragepassage zu bewältigen war. Der 50  Grad steile Zielhang verlangte einem alles ab. Nach 39 min stand ich im Ziel bei der Jennerbergstation und erzielte den 25. Rang von 36. Teilnehmern in meiner Altersklasse.
Bereits 1 Woche zuvor begann für mich die Wettkampfsaison am Achensee. Beim 15. Rofannachtaufstieg waren 980 Höhenmeter auf der Piste zu bewältigen. Gestartet wurde um 18 Uhr an der Talstation der Rofanseilbahn bei leichtem Schneefall. Die ersten 300 Höhenmeter des Wettkampfes wurden auf gewalzten Forstwegen gelaufen, danach ging es
auf die mit Fackeln ausgeleuchtete steilere Piste. Durch den stärker werdenden Schneefall
und einsetzende Windböen, war nicht nur der Kampf gegen sich selbst und die Höhenmeter am Berg gefragt, sondern man musste sich auch noch den Witterungsbedingungen entgegen setzten. Aber nach gut 51 min erreichte ich als 53. von 82 Teilnehmern das Ziel.
Leider bin ich aus der Oberpfalz der einzige Teilnehmer, der an Rennen teilnimmt. Zwar gibt es sehr viele Skitourengeher in Nordbayern, aber die Bereitschaft für den Leistungssport und die fehlenden Trainingsmöglichkeiten führen anscheinend dazu. Ich starte für die Sektion Karlsbad im DAV, bei der ich auch meine Ausbildung zum Fachübungsleiter Hochtouren machen kann.
Martin Kahl